This article is a translation of: Randall Buth, “‘And’ or ‘But’—So What?” Jerusalem Perspective 31 (1991): 13-15 [https://www.jerusalemperspective.com/2568/]. This translation originally appeared on the website Perspektive aus Jerusalem published by Horst Krüger.
In einem anderen Artikel (“Matthäus’ aramäischer Leim”) haben wir die Bedeutung von Wörtern diskutiert, die einen Text zusammen halten, während wir dabei speziell auf das Griechische Wort τότε (tote) Bezug nahmen. Hier werden wir zwei weitere zusammenführende Wörter analysieren: καί )kai, und) und δέ (de, und, aber). Diese zwei Griechischen Wörter beeinflussen Übersetzungen, sie beeinflussen unser Verständnis für eine Geschichte, und sie haben einige Eigenschaften, die ein Teil der Daten beitragen, die zum Verständnis des Hintergrunds der Evangelien und des synoptischen Problems führen.
Viele Studenten fragen wie ein Griechisches Wort wie de sowohl “und” als auch “aber” bedeuten kann. De wird sogar in Englisch manchmal mit “andererseits”, “ausserdem”, “sodann”, “so”, “jedoch” wieder gegeben, oder mit überhaupt nichts. In Wirklichkeit wird seine richtige Bedeutung durch kein Englisches Wort ausgedrückt. Um de zu verstehen, muss der Student sehen, wie es in Griechischen Konstruktionen funktioniert, und wie es sich von kai unterscheidet.
Kontinuität und Wandel
In diesem Artikel sind wir an dem Vergleich von de und kai interessiert als Kojunktionen auf Satzebene, die Sätze zu einem grösseren Kontext verbinden. De verbindet immer Sätze und Absätze zu ihrem breiteren Kontext. Kai verbindet manchmal Sätze zu einem breiteren Kontext, aber manchmal verbindet es einfach nur Wörter oder Sätze oder funktioniert als das Adverb “sogar”. Diese Satzebene kai werden wir diskutieren.
Wenn ein Griechischer Author eine Art Kontinuität mit dem Kontext andeuten will, benutzt er kai. Die Kontinuität kann bedeuten, dass der Satz mit der selben Situation fortführt, wie der vorherige Satz, oder mit dem selben Thema. Sehr oft ist das selbe Thema oder der selbe Teilnehmer involviert.
Ein Griechischer Author benutzt de wenn er signalisieren will, dass sich etwas geändert hat, dass etwas anders ist mit dem folgenden Satz. Manchmal korrespondiert die unterschiedliche Situation mit dem was ein neuer Absatz sein würde oder sogar eine neue Episode. Jedoch, sehr oft wird de in absatzähnlichen Einheiten benutzt, in welchen der Unterschied auf einen beschreibenden Anfangssatz hinweisst, um Hintergrundmaterial zu beschreiben für die Hauptgeschehnisse im Absatz. De markiert auch den Wandel oder Unterschied wenn der Author die Hintergrundbeschreibung verlässt und zurückgeht zum Hauptgeschehen der Geschichte.
In einem Dialog wird de oft signalisieren, dass eine andere Person spricht, so dass der Author nicht den Namen des Sprechers wiederholen muss, um Mehrdeutigkeit zu verhindern. Wenn ein Author Vergleiche oder Gegenüberstellungen von zwei Ideen oder Ereignissen durchführt, wird de den zweiten Teil einführen, ähnlich wie in Englisch oder Deutsch “aber” oder “jedoch”.
Am bedeutungsvollsten von alledem ist, wenn der Author de für Hauptgeschehnisse eines Absatzes oder einer Episode benutzt, die die selben Teilhaber beinhaltet und am selben Ort oder zur selben Zeit stattfindet. Der Wandel an diesem Punkt ist eine Weiterentwicklung der Geschichte.[1] Das ist bedeutungsvoll für Übersetzer und Leser, denn de zeigt an, wo der ursprünglische Author eine Thematische Grenze in der Geschichte durchführen wollte.
Bedeutung für Übersetzer
Ein gutes Beispiel der brauchbaren Beobachtung des de finden wir in Lukas 24:13-43.[2] Das de erscheint in 24:16, 17, 18, 19b [21, 24-in der Unterhaltung der Jünger], 31, 36, 37 und 41. Beachte auch die Benutzung von kai in 24:19, 25, 28a, 29b und 30, wo de als Änderung zu Jesus Handlungen erwartet werden konnte. Lukas markiert die thematischen Änderungen auf eine Art, die zeigt, dass er Sorge trug um herauszustellen wie die Jünger als Unglaubende starteten und Glaubende wurden. Obwohl dies ein Teil der Geschichte der Auferstehung Jesus ist, stellt Lukas klar, dass nicht die Erscheinungen Jesus die Entwicklung des Themas sind, aber die Änderung des Herzens in den Jüngern vom Zweifel und Angst hin zum Glauben.
Das de in Lukas 24:13-43 ist wichtig für Übersetzer auf zweierlei Hinsicht. Erstens, durch Kenntnis der Gruppierung der Ereignisse der Geschichte durch Lukas können Übersetzer die angemessenen Verbindungen und Wörter für Ihre Zielgruppe verwenden. Sie müssen denken und fühlen wie Lukas während sie übersetzen. Zweitens, es kann die Überschriften die jemand über eine Geschichte in der Bibel setzt, beeinflussen. In Lukas 24,13-35 wäre es nicht nach Lukas “Jesus erscheint zwei Jüngern” oder “Mehr Beweise, dass Jesus auferstanden ist”. Mehr zum eigentlichen Punkt kommend wäre die Überschrift “Zwei Jünger erkennen Jesus”.
Eine Semitische Perspektive
Es gibt einige Eigenarten bei der Häufigkeit der Verwendung von de und kai im Griechischen. Schriften, die ursprünglich in Griechisch geschrieben wurden tendieren zu einer häufigeren Anwendung von de zu kai als Schriften, die von Semitischer Sprache beeinflusst wurden. (Siehe die Statistiken zu Verbindungen auf Satzebene).[3]
Einige Übersetzer der Septuaginta zeigen deutlich eine Aversion zur Benutzung von de. Eine Erklärung kommt aus der Gegenüberstellung der Griechischen und Hebräischen Sprachen. Hebräisch hat nur ein Wort für “und”: ve-, das Wörter, Phrasen und Sätze verbindet. Da das Griechische Wort für “und”, das für diese unterschiedlichen Ebenen verwedent werden kann kai ist, haben viele Jüdische Schreiber es vorgezogen lieber kai als de zu verwenden. Selbst ein vorsichtiger Übersetzer wie der Übersetzer der Genesis, benutzte kai öfter als jemand der ursprünglich in Grieschisch schreibt. Es sieht so aus, dass der Genesis-Übersetzer kai als sein “normales” Wort benutzt um dann, wenn immer seine Gefühle stark genug waren, die Assoziation des Griechischen kai zum Hebräischen ve- zu übergehen, er de in seine Übersetzung einfügte.
Die Schreiber er Evangelien benutzten de weniger häufig als säkuläre Griechische Schreiber. Deshalb ist ihr Stil nicht poliertes, natürliches Griechisch.[4]
Der Fall mit Lukas
Der Author von Lukas-Apostelgeschichte hat eine eigenartige Variation der Häufigkeit. In Teilen der Apostelgeschichte[5] die weniger Einflüsse von Semitischen Quellen aufweisen, ist der Quotient von de zu kai wie der eines säkuleren Griechischen Schreibers. Aber in vielen Abschnitten seines Evangeliums zeigt er eine Aversion dem de gegenüber, die nicht die eines natürlichen Griechen entspricht. Gelehrte sind geteilter Meinung über die Bedeutung dieses Umstandes für Lukas. Einige Gelehrte haben vorgeschlagen, dass Lukas seinen Stil nach dem Thema variierte und schrieb ein natürlicheres Griechisch im zweiten Teil der Apostelgeschichte bei der Beschreibung der Missionierung der Heiden, jedoch ein “Hebräisches” Griechisch bei der Beschreibung der Ereignisse im Land Israel. Jedoch ist es vielmehr denkbar, dass der niedrigere Quotient des de zu kai im Evangelium Lukas’ Verwendung von Quellen wiederspiegelt. Mehr als eine Quelle mit unterschiedlichen Quotienten von de zu kai würde die unterschiedlichen Quotienten im Evangelium helfen zu erklären.[6]
Man sollte aus dem oben Beschriebenen nicht schliessen, dass das Evangelium nach Lukas eine direkte Übersetzung des Hebräischen oder Aramäischen ist. Lukas hat sicherlich in Griechisch geschrieben, was klar aus dem Stil seiner Einführung hervorgeht (Lukas 1:1-4) und die letzte Hälfte der Apostelgeschichte.[7] Jedoch wurden einige seiner Quellen ganz offensichtlich in einem sehr Hebräischen Griechisch geschrieben, und die wurden möglicherweise aus Hebräischen Dokumenten übersetzt. Das würde wiederum die Wahrheit der Theorie bestätigen, nach der Markus das erste Evangelium ist. Die Verschiebung von Hebräischen Quellen hin zu Griechisch würde einfach nur weiter fortgeführt werden zum Hintergrund für Lukas – in anderen Worten: Lukas benutzte Markus, der wiederum Griechische Quellen, die aus dem Hebräischen übersetzt wurden, benutzte.
Robert Lindsey hat ein eigenartige Verwendung des Quotienten von de zu kai durch Analyse von Lukas. Er fühlt, dass Geschichten mit einer hohen Frenquenz von kai aus einer unterschiedlichen Stufe kommen bei der Überlieferung der Quellen als Geschichten mit einer niederen Frequenz von kai. Er war in der Lage, dieses Kriterium bei der Rekonstruktion der Geschichten zu verwenden, die möglicherweise ursprünglich in einer bestimmten Quelle zusammengehörten. Das ist ein Gebiet mit weiterführenden Forschungen, insbesondere jetzt wo Sprachwerkzeuge und -beschreibungen uns erlauben subtile Unterschiede zur Funktion des de zu analysieren, über die simple Zählung der Häufigkeit hinaus.
Nun – Wohin?
Übersetzer müssen auf all die des aufpassen, die ihren Weg in die Texte der Evangelien gefunden haben. Die Tatsache, dass es weniger des in den Evangelien gibt als es normal in einem natürlichen Griechischen Stil wäre, macht es umso interessanter und bedeutungsvoller. Sie mussten gegen den Strom schwimmen, um dort hinzugelangen, und sie sind mehr “markiert” als ein gewöhnliches Griechisches de.
Das de in den Evangelien hilft es zu offenbaren wie der Author sein Material bearbeitet hat, während er Änderungspunkte im Fluss der Geschichte einsetzte. Jedoch sollte man nicht das Nichtvorhandensein eines de zu weit treiben. Zum Beispiel reflektieren die Anfänge eines neuen Abschnitts oder Absatzes mit kai unter Umständen das Semitische kai.[8]
Innerhalb der Gruppe von Gelehrten der Jerusalemer Schule geht das Studium nach der Frage der Beständigkeit des Quotienten von de zu kai in den Quellen der Evangelien und ihrer Bedeutung weiter. Das Versprechen ist mehr Licht auf die Quellen der Evangelien. Bleiben Sie dabei.
Notes
- Siehe Stephen Levinsohn, Textual Connections in Acts (Scholars Press, 1987), der als erster den “Entwicklungsaspekt” des Markierens von de betonte. ↩
- Ich möchte Dr. Levinsohn dafür danken, dass er mir dieses Beispiel vorgetragen hat. ↩
- Gesammelt durch Raymond A. Martin, Syntactic Evidence of Semitic Sources in Greek Documents (Scholars Press, 1974). “Konjunktionen auf Satzebene” sind Konjunktionen, die Absätze oder hörere Einheiten zusammenfügen im Kontrast zu simplen Konjunktionen, die Namen oder präpositionale Phrasen verbinden. ↩
- Siehe die Statistik, die R. A. Martin kompiliert hat, unten unter “New Testament Sections”. ↩
- Apostelgeschichte 16:9-18; Apostelgeschichte 20:4-16; Apostelgeschichte 21:1-18; Apostelgeschichte 27:1-28. ↩
- Einzigartiges gemeinsames Matthäus-Lukas Material, d.h. Doppelte Tradition Material. In der Tat können Martin’s Statistiken die sehr verschiedenen Semitischen Quellen mit unterschiedlichen Ebenen Griechischen Schreibens trüben. Dr. Lindsey hob hervor, dass es zwei verschiedene Arten von Material in Lukas gibt als ein Ergebnis seiner Kopie von zwei verschiedenen Quellen, eine davon den Semitischen Einfluss hervorhebend. Das selbe kann über den Quotienten de zu kai in Matthäus und in den einzigartigen Abschnitten Lukas gesagt werden. ↩
- Die verbale Übereinstimmung in einigen Matthäus-Lukaischen Betrachtungen der Doppelten Tradition bestätigen auch, dass das Evangelium von Lukas in Griechisch geschrieben wurde. Matthäus und Lukas kannten möglicherweise die Evangelien des jeweils anderen nicht. Deswegen kommt wohl die hohe Griechische Übereinstimmung aus der Verwendung der selben Quelle. Wenn sie unabhängig von einander einen Semitischen Text übersetzt haben, hätten sie nicht so viele identische Wörter und Konstruktionen verwendet. ↩
- Siehe “Some Notes on Sentence Level kai in the Martyrdom of Polycarp,” Selected Technical Articles Related to Translation 3:19-21 (Dallas: Summer Institute of Linguistics, 1981). ↩



