Söhne seines Wohlgefallens

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This article is a translation of: Randall Buth, “The Sons of His Will,” Jerusalem Perspective 23 (1989): 6-7 [https://www.jerusalemperspective.com/2421/]. This translation originally appeared on the website Perspektive aus Jerusalem published by Horst Krüger.

Zu Weihnachten singt und schreibt man immer wieder die Worte aus Lukas 2,14: Den Menschen ein Wohlgefallen und Frieden den Menschen des Wohlgefallens. Die Engel priesen Gott mit den Worten, die sich in unserer Sprache vielleicht wie die Worte eines Politikers anhören: Haben Sie noch einen schönen Tag! Viele von uns fühlen, dass diese Worte einen tieferen Sinn haben; aber warum gebrauchten die Engel solche scheinbar harmlosen Worte?

Varianten

Die Manuskriptgeschichte von Lukas 2,14 9 ist zwischen der Besitzform des griechischen Wortes εὐδοκία (ev·do·KI·a, “Wohlgefallen”) und εὐδοκίας (ev·do·KI·as, “des Wohlgefallens”) geteilt. Englische (und deutsche) Übersetzer mussten zwischen diesen beiden Varianten wählen. Die King James Version Wohlgefallen den Menschen reflektiert die erste Variante und J.B. Phillips Unter den Menschen des Wohlgefallens übersetzt die zweite Variante.

Fast alle modernen Übersetzer haben sich seit der King James Version für eudokias (des Wohlgefallens) entschieden, weil es einen textuell tieferen Sinn hat. Textkritiker entscheiden sich fast ausschließlich für diese Variante, da sie von den besten griechischen Manuskripten bestätigt wird und sie schwieriger zu lesen ist. Eines der Prinzipien der Textkritik bei der Entscheidung für die passende Variante ist, dass wenn alle Faktoren gleich sind, die schwierigste Version vorgezogen wird.

Es ist nicht einfach die eine oder andere Form des griechischen Wortes zu übersetzen, weil sie weder im klassischen noch im hellenistischen Koiné-Griechisch existieren. In jüdisch-griechischen Texten wie der Septuaginta – Übersetzungen von hebräischen Originalen – hat es normalerweise die Bedeutung Gottes Gnade und Wohlgefallen oder Gottes Wille. In seltenen Fällen kann es der Vorzug oder Wille des Menschen bedeuten.

So kann man davon ausgehen, dass dieser Ausschnitt aus dem Lukasevangelium auf Erden Frieden den Menschen des Wohlgefallen [Gottes] oder auf Erden Frieden den Menschen des Willens [Gottes] bedeutet.

Menschen des Wohlgefallens ist unmöglich theologisch fundiert, da der Ausdruck menschlichen Verdienst impliziert. Die Übersetzung mit dem, der ihm gefällt mag auch einschließen, dass der Friede Gottes nur denen gegeben ist, die es verdienen. Darüber hinaus haben viele Gelehrte, die vor der Entdeckung der Rollen des Toten Meeres von einem hebräischen Original ausgingen, argumentiert, dass der Ausdruck Menschen des Wohlgefallens, die wörtliche Übersetzung des griechischen Worte im Lukasevangeliums, in der hebräischen Sprache nicht möglich ist.

Die Hymnenrolle

Es waren die Rollen vom Toten Meer in Qumran, die ein neues Verständnis des Ausdruckes in Lukas brachten. Als Gelehrte die Dokumente der Sekte vom Toten Meer lasen, begegneten ihnen hebräische Ausdrücke, die Menschen des Wohlgefallens in Lukas ähnlich sind, wie zum Beispiel בְּנֵי רְצוֹנוֹ (be·NĒ re·tzō·NŌ, “die Söhne seines Wohlgefallens”) und בְּחִירֵי רָצוֹן (be·ḥi·RĒ rā·TZŌN, “die Auserwählten des Wohlgefallens”). Diese idiomatischen Ausdrücke beziehen sich auf die gerettete Gemeinde, wie in der Hymnenrolle aus Qumran 4,32-33: …damit sie alle seine [Gottes] Taten in der Kraft seiner Macht und Vielfalt seiner Gnaden über die Söhne seines Wohlgefallens kennen mögen. Der Satz Söhne seines Wohlgefallens beschreibt die Menschen, die die himmlische Gnade erlebt hatten – die Gemeinde der Gläubigen.

Die Menschen, die die Qumranrollen produziert hatten, glaubten, sie lebten in den letzten Tagen kurz bevor Gott seinen Messias senden und eine neue Welt aufbauen würde. Sie glaubten an einen großen Krieg zwischen den Söhnen des Lichts und den Söhnen der Finsternis.

Die griechische Übersetzung von Ben Sira gibt Beispiele (Sirach 15,15; 39,18) für die Übersetzung von רְצוֹנוֹ (re·tzō·NŌ, “sein Wohlgefallen”) ins Griechische mit εὐδοκία (ev·do·KI·a) oder εὐδοκίας (ev·do·KI·as) ohne die persönliche Nachsilbe, wie wir es im Text des Lukasevangeliums finden. Darum ist der Text des Lukasevangeliums in beiden Varianten eine akzeptable Übersetzung des hebräischen רְצוֹנוֹ (re·tzō·NŌ), רָצוֹן (rā·TZŌN) mit der persönlichen Nachsilbe sein. Darüber hinaus hat Joseph Fitzmyer in seinen Essays on the Semitic Background of the New Testament (Scholars’ Press, 1974, S. 101-104) darauf hingewiesen, dass die antike koptische Übersetzung von Lk 2,14 das persönliche Fürwort sein beinhaltet, und er schlägt die Möglichkeit vor, dass die antiken Übersetzer die Absicht des Lukas verstehen konnten: Friede den Menschen seines Wohlgefallens.

Errettung

Heute haben Bibelübersetzer den Beweis, dass Menschen seines Wohlgefallens in der hebräischen Sprache in vorchristlicher Zeit benutzt wurde. Dadurch ist das Gewicht entscheidend auf die Seite des hebräischen Verständnisses von Lk 2,14 verlagert worden und zwar, dass Menschen des Wohlgefallens als die geretteten Menschen Gottes übersetzt werden sollte. Es gibt keinen triftigen Grund, den Ausdruck Wohlgefallen den Menschen, Menschen des Wohlgefallens oder sogar Menschen, die Gott wohlgefallen für Lks 2,14 zu nehmen. Der Originaltext unterschied zwischen Erretteten und Unerretteten – Friede auf Erden Gottes Leuten.

שָׁלוֹם (shā·LŌM, “friede”) jedoch ist wie רָצוֹן (rāt·TZŌN, “Wohlgefallen,” “Gnade”) in Hebräisch ein allgemeines Synonym für Errettung (Siehe Hebrew Nuggets, Jerusalem Perspective, Dez. 1988). Welchen Sinn hat es, wenn Engel Rettung für die Erretteten ausrufen? Hier bezieht sich Friede auf den Messias. Der langerwartete Messias war zu denen gekommen, die sich nach seinem Kommen sehnten. Wie Simeon sagte, als er Jesus im Arm hielt: Meine Augen haben dein Heil gesehen (Lk 2,30).

Gott sandte seine Engel, um die Geburt Jesu in Bethlehem zu verkünden (Lk 2,11). Bei dieser Verkündung begann eine Armee von Engeln Gott zu preisen. Sie priesen ihn, weil er Errettung für die ganze Welt bedeutete. Der Messias, den Menschen wie Simeon ersehnt hatten, war gekommen, So sangen die Engel Rettung für die Erretteten. Ihr Lied des Preises umfasste die ganze Welt, aber es war zuerst für diejenigen gedacht, die bereits die Gnade Gottes empfangen hatten.


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