Der Esel und seine vielen Herren

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This article is a translation of: David N. Bivin, “The Syndicated Donkey,” Jerusalem Perspective 5 (1988): 1-2 [https://www.jerusalemperspective.com/2092/]. This translation originally appeared on the website Perspektive aus Jerusalem published by Horst Krüger.

Als Jesus das letzte Mal Jerusalem besuchte, stiegen er und seine zahlreichen Jünger aus Galiläa die steilen östlichen Hänge des Ölbergs hinauf. In der Umgebung von Bethanien sandte er zwei seiner Jünger zu einer nahen Ortschaft, vermutlich Bethphage, mit der Anweisung, ihm ein bisher unberittenes Eselsfohlen zu bringen, das sie am Ortseingang angebunden finden würden. Seine Jünger taten, worum sie gebeten waren, aber als sie den Esel losbanden, fragten gemäß Lk. 19,33 dessen Herren – nicht Herr – Warum bindet ihr das Fohlen los?

Ohne vergleichbaren Fall

Alle englischen Übersetzungen des NT mit Ausnahme der Jerusalemer Bibel enthalten an dieser Textstelle die Fassung Herren. Aber warum sollte dieser junge Esel mehr als einen Herren haben; war das ein ungewöhnlicher Sachverhalt in der antiken jüdischen Gesellschaft? Handelte es sich um einen speziellen Esel, einen Esel der so wertvoll war, dass eine Gesellschaft Eigentümerin war, wie auch heute Rennpferde einem Verein oder einer Gesellschaft gehören als eine geschäftliche Investition?

Die Kommentatoren haben im allgemeinen den Plural Herren im Sinne von der Herr und die mit ihm begriffen oder sein Herr und seine Herrin, was nur im Plural ausgedrückt werden kann. Es gibt jedoch keinen antiken vergleichbaren Fall für dieses Verständnis. Es gibt Beispiele von zwei oder mehreren Tieren, die einem Menschen gehörten, aber keinen auf Tatsachen beruhenden Beweis eines Tieres mit mehreren Eigentümern.

Eine mögliche Lösung

Vielleicht hat der Wycliff Bibelübersetzer und Gelehrte an der Jerusalemer Schule, Dr. Randall Buth, eine Lösung für diese Problematik gefunden. Er hat in seinem Artikel Lukas 19,31-34; mischnaisches Hebräisch und Bibelübersetzung: Ist kyrioi tou polou Singular? (Journal of Biblical Literature, 104 – 1985), 680-685) herausgestellt, dass in Hebräisch ba’a-LIM, der Plural von ba’al – Chef, Herr, Eigentümer -, oft im Sinne des Singulars gebraucht wird. Das klassische Beispiel dieser Anwendung befindet sich in 2Mo 21:29 in Verbindung mit den Gesetzen in bezug auf ein stoßendes Rind:

Falls jedoch das Rind schon vorher stößig war, und sein Besitzer (wörtlich seine Besitzer) ist gewarnt worden (Singularform des Verbes), hat es aber nicht verwahrt: falls es dann einen Mann oder eine Frau tötet, soll das Rind gesteinigt und auch sein Besitzer (wörtlich seine Besitzer) getötet werden (Singularform des Verbes).

Zweimal wird in dieser Passage das Hauptwort Herren in der Pluralform in Verbindung mit einem Verb in der Singularform gebraucht, was anzeigt, dass das Hauptwort tatsächlich im Sinne eines Singulars zur Anwendung kam.

Redewendung im Singular

Derselbe idiomatische Gebrauch dieses Hauptwortes im Plural im Sinne eines Singulars befindet sich auch im mischnaischen Hebräisch, außer dass das zugehörige Verb gewöhnlich im Plural vorkommt.

Antike griechische und aramäische Übersetzungen der Schrift wie die Septuaginta und das Targum geben das idiomatische Hauptwort in Pluralform Herren als Herr wieder. Dies legt nahe, dass dieses Idiom dem Griechischen und Aramäischen fremd war. Tatsächlich existiert dieses Idiom nicht im Griechischen und Aramäischen.

Es findet sich kein Beleg in der griechischen Literatur, und der Jerusalemer Gelehrte und Spezialist für die aramäische Sprache, Prof. Michael Sokoloff, hat bestätigt, dass dieses Idiom in keinem der frühen palästinensischen aramäischen Texte vorkommt.

Wesentlich genauer

Dr. Buth könnte einen bedeutenden Schlüssel zur Offenlegung der ursprünglichen Sprache der Evangelientexte entdeckt haben.

Wegen der Ähnlichkeit hebräischer und aramäischer Idiome ist es selten, in den Evangelien ein hebräisches Idiom zu finden, das nicht auch gleichzeitig eine aramäisches wäre. Dieses Idiom jedoch scheint einzigartig in der hebräischen Sprache zu sein. Es ist um so beachtlicher, als es weder in der Septuaginta noch in der griechischen Literatur im allgemeinen vorkommt.

Es ist offensichtlich so, wie Dr. Buth in seinem Artikel vorgeschlagen hat, dass wenn wir einen Hebraismus hinter dem eher überraschenden Plural vermuten, sich der Text wesentlich natürlicher liest. Der Eigentümer, nicht die Eigentümer, fragten die zwei Jünger, warum bindet ihr das Fohlen los?

Dieses hebräische Idiom, verborgen im Griechisch des Lukasevangeliums, ist ein erneutes Beispiel, wie die Übersetzung der Evangelientexte ins Hebräische es ermöglicht, eine wesentlich genauere deutsche oder englische Übersetzung zu erhalten.


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