Der Messias

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This article is a translation of: David N. Bivin, “Hebrew Nuggets: Messiah (Parts 1-2),” Jerusalem Perspective 26-27 (1990) [https://www.jerusalemperspective.com/2476/]. This translation originally appeared on the website Perspektive aus Jerusalem published by Horst Krüger.

Das Wort Messias kann in den Herzen von Juden wie Christen starke Emotionen auslösen. In diesem Artikel betrachten wir den Hintergrund des hebräischen Wortes.

Das hebräische Maschíach besteht aus drei Silben: מָשִׁיחַ ma-SCHI-ach. Israelis orientalischer Abstammung bilden den ch-Laut tief im Rachen, während die europäischen Israelis ihn ähnlich aussprechen wie im Deutschen ach.

Messias ist eins der zahlreichen Wörter, die Eingang in die deutsche Sprache gefunden haben. Im Aramäischen haben wir das Wort me-schi-CHA, eine abgekürzte Übersetzung des hebräischen ha-ME-lech ha-ma-SCHI-ach, der König Messias.

Maschiach bedeutet gesalbt mit Öl und erscheint 39 Mal in der hebräischen Bibel. Einmal für einen gesalbten bzw. mit Öl eingeriebenen Schild (2Sam 1,21). Sonst geht es um einen König oder Priester (1Sam 24,6; Jes 45,1) bzw. jemand, der für ein Amt erwählt ist (2Sam 16,6). Die Salbung mit Öl war eine Weihehandlung und bestätigte für das Amt.

Obwohl das Konzept des Messias sowohl für das Judentum als auch das Christentum von großer Bedeutung ist, wurde das hebräische Ma-schíach zur Zeit Jesu nur wenig gebraucht. Jesus und seine Zeitgenossen sprachen fast nie wörtlich vom Messias, sondern zogen andere Ausdrücke vor.
Im NT wird für Maschíach das griechische Christos, gesalbt mit Öl, Christus, verwendet. Die buchstäbliche Schreibweise messias gibt es nur zweimal, und zwar Jh 1,41 und 4,25.
Viele Christen scheinen Christus für Jesu Zunamen zu halten. Christus ist die verdeutschte Form der griechischen Übersetzung eines ursprünglich hebräischen Wortes – ein hervorragendes Beispiel für den Einfluss der griechischen Sprache und Kultur auf unsere Kultur. Dann ist es auch ein Zeugnis dafür, dass die Kirche ihre hebräisch-jüdischen Wurzeln verloren hat.

Christus ist aber schon sehr früh auch als Name benutzt worden. Wie Walter Bauer in seinem Griechisch-Englischen Lexikon zum Neuen Testament und anderer frühchristlicher Literatur hervorhebt, klang christós in den Ohren früher Christen, die Griechisch sprachen, wie chrestos, tugendhaft, hervorragend. Ein üblicher säkularer griechischer Name. Es gibt Beispiele im NT, wo Christos als Eigenname gebraucht wird: Mt, 1,1; Mk 9,41; Apg 24,24; Rö 6,3; 1Ko 2,2; Heb 3,6.
Maschíach ist im modernen Israel Eigenname. Das mag verwundern. Im Jerusalemer Telefonbuch von 1989/90 hießen 39 Familien so.

In der jüdischen Gesellschaft der Zeit Jesu konnte man gewiss direkt vom Messias sprechen. Erstaunlich aber ist die höchst seltene Verwendung. Wer vom Messias sprach, gebrauchte Ersatzbegriffe, die man aus der hebräischen Bibel als messianisch interpretiert hatte.
Johannes der Täufer fragte Jesus, ob er der verheißene Messias sei, und nannte ihn den Kommenden (Mt 11,3), in einer Kombination zwischen Mal 3,1 und Sach 9,9. Jesu Jünger sprachen ihn als Herr (Lk 10,17) an, wobei sie sich offensichtlich auf Psalm 110,1 bezogen, einen Titel, den Jesus selbst für sich beanspruchte (Lk 19,31). Gewöhnlich zog Jesus Sohn des Menschen, Menschensohn, vor mit einem klaren Hinweis auf die übernatürliche Persönlichkeit in Dan 7,13. Dann aber sprach er von sich selbst auch in anderen Bildern, z. B. vom grünen Baum (Lk 23,31), womit er auf Hes 20,47 anspielte.

Dann hielten sich auch manche für den Messias Israels. In Übereinstimmung mit der Sitte erhoben sie ihre Ansprüche, indem sie andere Wörter für Maschíach benutzten, so Bar Kochba, der den Titel Nessí Jisrael, Fürst Israels, annahm. Joseph A. Fitzmyer hebt hervor, dass der Titel den eschatolo-gischen Führer des Volkes widerspiegelt, von dem der Prophet Hesekiel geredet hatte und der ein Nachkomme Davids sein würde (Hes 34,24; 37,25; 44,3 – Essays über den semitischen Hintergrund des Neuen Testaments, 1974, S. 316). Aufgrund der Ausdrücke in Hesekiel 34,24 (Mein Knecht David wird Fürst unter ihnen sein) und 37,25 (David, mein Knecht, wird ihr Fürst sein auf ewig) hat man verstanden, dass der Knecht des Herrn, David – selbst ein messianischer Bezug -, auch Fürst, nassí, sein würde, wobei Fürst leicht als messianischer Titel infrage kam.

Man kann diesen Gedanken noch mehr ausweiten und in einen Bezug zu Maschíach bringen; denn in beiden Texten wird Fürst auch mit dem messianischen ein Hirte in Verbindung gebracht, und Hesekiel 37,24 sagt, mein Knecht David wird König über sie sein. Für Jesu Zeitgenossen war König ein klarer messianischer Hinweis. Wie wir bereits zu Anfang deutlich gemacht haben, ist das deutsche Wort Messias – wie auch das englische Messiah – abgeleitet von einer Abkürzung von Ha-Melech Ha-Maschí-ach, der König Messias.


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