Gepriesen sei der Name!

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This article is a translation of: David N. Bivin, “Blessed Be the ‘Name’!Jerusalem Perspective (2004) [https://www.jerusalemperspective.com/4005/]. This translation originally appeared on the website Perspektive aus Jerusalem published by Horst Krüger.

Wir Christen singen ein Lied mit diesen Worten: “Gepriesen sei der Name, gepriesen sei der Name, gepriesen sei der Name des Herrn.” Dann singen wir Chorusse, die proklamieren: “Dein Name ist wie Honig auf meinen Lippen”; “sein Name ist hoch erhoben über die Erde”; “preist den Namen Jesus …”

Der Hauptgrund dafür, dass wir diese Ausdrücke wie “der Name des Herrn” und “der Name Jesus” in christlichen Liedern und Gedichten finden, liegt darin, dass sie in der Bibel üblich sind. Beispiele: “Ich will den Becher des Heils erheben und den Namen des Herrn anrufen” (Psalm 116:13); “Ich will dir Dankopfer bringen und den Namen des Herrn anrufen” (Psalm 116:17); “der Name des Herrn ist eine Festung, der Gerechte läuft zu ihr und wird beschützt” (Sprüche 18:10); “Und du wirst sagen an jenem Tag: danket dem Herrn, ruft seinen Namen an; macht seine Taten unter den Nationen bekannt; ruft aus, dass sein Name hoch erhoben ist” (Jesaja 12:4); “vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang ist mein Name groß unter den Nationen und an jedem Ort wird meinem Namen Weihrauch dargebracht und ein reines Opfer geopfert; denn mein Name ist groß unter den Nationen, sagt der Herr der Heerscharen” (Maleachi 1,11).

Mir scheint, dass wir viele biblische Ausdrücke mit “der Name des” völlig oder wenigstens teilweise missverstanden haben. Wie so oft bei Missverständnissen hinsichtlich der Heiligen Schrift liegt das Problem einfach an der Übersetzung. Der hebräische Ausdruck “der Name des” ist leider gewöhnlich buchstäblich ins Deutsche bzw. Englische übersetzt worden. Folglich sind uns diese typischen Redensarten, die so häufig in der Schrift vorkommen, so vertraut, dass wir sie als gute deutsche Ausdrücke empfinden. Wir scheinen sogar ein besonderes Augenmerk auf das Wort “Name” zu legen im Ausdruck “der Name des Herrn” als auf das Wort “Herr”.

Wenn die hebräische Schrift sagt: “Gepriesen sei der Name des Herrn”, dann bedeutet das ganz einfach “Gepriesen sei der Herr.” In Sprüche 18,10 ist nicht der Name eine Festung, sondern der Herr! Als Jesus sagte: “Geheiligt werde dein Name”, meinte er “mögest du, o Gott, geheiligt werden!”

Im Hebräischen ist “der Name des Herrn” eine idiomatische Redewendung für “der Herr”. “Der Name von JHWH” kann gleichermaßen wiedergegeben werden mit “JHWH”. Ebenso wie “dein Name” ein Synonym für “du” sein kann. Das lässt sich beweisen durch parallele Schriftstellen, in denen identische Ausdrücke auftreten, und zwar einmal mit “Name” und einmal ohne. Beispielsweise schließt Zephanja 3,12 die Formulierung ein “die Zuflucht im Namen JHWH’s suchen”, Psalm 5,11 jedoch gibt denselben Gedanken wieder mit “die Zuflucht bei dir suchen”. Ein weiterer Beweis sind die Synonyme in Parallelismen, der charakteristischen hebräischen Verdoppelung, die sehr oft in der Schrift vorkommt, z. B. Hebräer 2,12 (einem Zitat von Psalm 22,22): “Ich will deinen Namen verkünden meinen Brüdern, in der Mitte der Versammlung will ich dich preisen”. Dort ist “dich” ein Synonym für “deinen Namen” – und in Psalm 34,3: “Erhebt den Herrn mit mir, lasst uns miteinander erhöhen seinen Namen!” ist “den Herrn” ein Synonym für “seinen Namen.”

Weil “der Name” in der Bibel so oft als Spracheigentümlichkeit auftritt, die dann entsprechend hölzern in unsere deutsche Sprache übernommen wurde, schreiben wir als deutsche Christen ganz natürlich sogar Gedichte und Lyrik mit “der Name des Herrn” oder “der Name Jesu”. Das passiert oft genug. Schlimmer jedoch wird es, wenn die theologisch Denkenden unter uns anfangen Lehren verfechten, die auf einer Kombination von Schriftstellen basieren, die vom “Namen des Herrn” handeln. Auch das geschieht. Zum Beispiel hat sich in den letzten zwei Generationen ein Evangelium verbreitet, das den “heiligen Namen” verkündet, eine Lehre, nach der man unbedingt wissen muss, wie man das Tetragramm (JHWH) ausspricht, um gerettet zu werden.

Der Übersetzungsfehler von “Name” in der Heiligen Schrift ist eine Warnung, dass wir uns ein wenig zurückhalten sollten, wenn wir theologische Lehrsätze formulieren. Wir müssen noch viel über den heiligen Text der Bibel lernen. Theologen, welche die ursprünglichen Sprachen der Schrift nicht wirklich beherrschen, schreiben auf eigene Gefahr und der der Gemeinde! Es stimmt nicht, dass der Weg zu einer intimen, persönlichen Beziehung zum Gott Israels auch dem einfachsten Gläubigen nicht klar wäre; wenn wir aber den Stand unserer Erkenntnis betrachten, ist die Bildung komplizierter Theologien unzeitig.


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